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Vorzugsmilch - die vergessene Delikatesse

Früher wurde die Milch vom Bauern geholt, so wie sie aus der Kuh kam. Auch die städtischen Milchläden verkauften zu einem großen Teil Rohmilch. Wenn sie nicht schnell genug verbraucht werden konnte, wurde die Milch sauer und man hatte erfrischende Dickmilch. Heute wird die Milch faul.

Es gibt viele jüngere Leute, die noch nie Rohmilch genossen haben. H-Milch mit ihrem Kochgeschmack halten viele für die Milch. Es ist wie früher mit den blassroten Holländer-Tomaten. Man glaubt, das Produkt muss so sein - und lässt sich die Köstlichkeit der Rohmilch entgehen. Rohmilch zu nutzen heißt, die große Geschmacksvielfalt zu entdecken, die die Milch vermitteln kann, denn selbstverständlich ist jede Milch anderes, je nach dem Futter der Kühe, der Gegend, der Jahreszeit oder der Kuhrasse. Und gesünder ist sie auch noch. Catherine André sagt über den Rohmilchkäse: "Er erzählt kulinarische Gedichte über die Gegend, aus der er stammt." Das gilt gleichermaßen für die Rohmilch.

Die einzige Rohmilch, die außerhalb des Hofes gehandelt werden darf, ist Vorzugsmilch, eine Milch, die unter besonders strengen hygienischen Bedingungen und besonderer tierärztlicher Kontrolle gewonnen wird. Es gibt nur noch 80 Bauern in Deutschland, die Vorzugsmilch produzieren. Es besteht die Gefahr, dass es noch weniger werden. Denn Vorzugsmilch kann man oft nur noch in Naturkostläden kaufen, und auch dort nicht überall. Es fehlen die funktionierenden Absatzwege. Und es fehlt die Kenntnis der Verbraucher.

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